Letzte Woche gab es für uns ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk. Am 28. April wur…

Letzte Woche gab es für uns ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk. Am 28. April wurde ein Beitrag vom Privat-Blog Schlamassel Muc veröffentlicht, in dem es – grob umrissen – um Antisemitismus in der linken Bewegung ging, siehe hier: https://buff.ly/2HW2F8L Wir als SDAJ wurden im Titel erwähnt und behauptet, dass die damalige Gruppe München irgendwie 1968 eine Gedenkveranstaltung zur Befreiung des KZ Dachau gestört hätte. Dabei schwingt der Vorwurf des Antisemitismus oder "linker deutscher Schuldabwehr" mit. Leider belegt der Beitrag nicht, was dort genau passiert sein soll und zitiert einen damaligen Artikel aus der Süddeutschen Zeitung (SZ), jedoch mit vielen Auslassungen. Aus dem original SZ-Artikel ist nicht klar, wer diese Aktion gemacht haben soll. Es ist nur die Rede von einer SDAJ-Fahne, die beim anschließenden Polizeieinsatz in der Nähe gewesen sein soll.

Wir haben mit einigen damaligen Mitgliedern gesprochen und keiner dieser Genossinnen und Genossen kann sich an eine Störung des Gedenkens unter Beteiligung der SDAJ erinnern. Was es schon immer gab, waren Transparente auf den Gedenken – zum Beispiel am 50. Jahrestag von Martin Löwenberg und anderen, die die Großkonzerne anprangerte, die am KZ-Zwangsarbeitersystem profitierten: „BMW, Siemens, BASF, Deutsche Bank, Daimler-Benz, Dresdner Bank, Bayer, VW“. Hat der kürzlich verstorbene KZ-Überlebende Martin Löwenberg damit das KZ-Gedenken gestört?

Im SZ-Artikel ist die Rede von Sprechchören gegen den Westberliner Bürgermeister Schütz, der an der Gedenkveranstaltung sprach. Dieser stand dem Westberliner Senat vor, welcher wenige Wochen vorher noch eine Gegendemonstration gegen die Vietnam-Kongress des SDS und anderen Gruppen veranstaltete. Am Rande dieser Gegen-Demo wurde ein Mann mit dem linken Studentenführer Dutschke verwechselt und fast totgeprügelt. Eine Zeitung schrieb damals darüber: „Wer die vielen hassverzerrten Gesichter bei der ‚Freiheits‘-Kundgebung des Senats in Westberlin aus der Nähe gesehen und die wilden ‚Dutschke raus‘-Sprechchöre gehört hat, der weiß, dass seit dem 21. Februar der politische Mord an Linken oder an solchen, die dafür gehalten werden, in Westberlin wieder möglich ist.“ Die BILD-Zeitung rief Zeitgleich zum „Ergreifen“ der „Rädelsführer“ auf. Am 11. April ruft ein Faschist „dreckiges Kommunistenschwein“ und gibt drei Schüsse auf Dutschke ab, zwei treffen ihn im Kopf. Er überlebt nur knapp, es kommt zu Massenprotesten. Dass dieser Westberliner Bürgermeister Gegenprotest verdient hat, ist klar. Der Protest hat sich damit aber nicht gegen die KZ-Überlebenden oder die von den Nazis ermordeten gerichtet, sondern gegen die faschistischen Kontinuitäten in der damals noch jungen BRD – der damalige Bundeskanzler z.B. war vor 1945 aktives NSDAP-Mitglied.

Der Schlamassel-Artikel verdreht bewusst die Realität und will nichts anderes, als rumzupöbeln und (wie schon öfter in den letzten Jahren gegen die SDAJ zu hetzen). Es sollte aber eigentlich auch nicht unsere Aufgabe sein solche Vorwürfe zu entkräften, sondern die Aufgabe von diesem "schlamassel muc"-Blog sein, sie zu beweisen, anstatt reißerische Artikel zu Vorfällen von vor 50 Jahren zu schreiben. Unsere erste Reaktion auf diesen Artikel wurde von Schlamassel gelöscht – es geht wohl nicht um Aufklärung darüber, was damals passiert sein soll, sondern um plumpe Stimmungsmache. Wer sich dagegen anschauen will, was die SDAJ wirklich in den letzten 50 Jahren gemacht hat und uns vor allem selber kennenlernen will, kann gerne heute Abend gerne ins Gewerkschaftshaus München kommen – dort feiern wir unseren 50. Geburtstag: https://buff.ly/2HW9LhK