Heute vor 50 Jahren, am 16. Oktober 1968, stellte Tommie Smith mit 19,83 Sekunde…

Heute vor 50 Jahren, am 16. Oktober 1968, stellte Tommie Smith mit 19,83 Sekunden einen neuen Weltrekord im Sprinten auf 200 Meter auf. Er gewinnt Gold, Peter Norman aus Australien wird zweiter und John Carlos aus den USA dritter. Sie alle gemeinsam wollen bei der Siegerehrung ein Zeichen gegen den Rassismus gegen Schwarze setzen. Alle drei Tragen sie Anstecker vom "Olympic Project for Human Rights", Smith und Carlos erheben ihre Faust. Es ist das Zeichen, das auch die Black Panthers in ihrem Kampf verwenden.

Zwar ist die Rassentrennung im angeblichen "Land der Freiheiten" seit 1964 formell aufgehoben, doch Schwarze werden weiterhin wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Smith sagt über seine Motivation für den Protest: "Auf der Strecke bist du Tommie Smith, der schnellste Mann der Welt, aber sobald du in den Umkleidekabinen bist, bist du nichts weiter als ein dreckiger Neger." Das ist bis heute so geblieben und nicht nur in den USA so. Doch der Rassismus gegen Schwarze in den USA ist besonders heftig. Bis heute werden Schwarze von Polizisten schikaniert, verfolgt und ermordet.

Vor 50 Jahren jedoch erhoben immer mehr schwarze Menschen stolz ihr Haupt und kämpften um ihre Rechte. Laut den KommunistInnen in den USA wurde "das Jahr 1968 zu einem der bedeutendsten Wendepunkte im Ringen der schwarzen Menschen um ihre Freiheit". In der DDR-Zeitung Neues Deutschland vom 15.02.1969 heißt es dazu (in der Sprache von vor 50 Jahren):

"Man könnte von einer neuen Phase des Kampfes sprechen. An die Stelle letztlich defensiver, spontaner und anarchischer Ghettorebellionen seien wirksamere Formen des zielgerichteten und organisierten Widerstandes gegen Diskriminierung und Rassenterror getreten. Die Suche nach grundlegenden Lösungen bestimme immer mehr das Denken und Handeln der aktivsten Kräfte innerhalb der Negerbefreiungsbewegung. Die aufrechte Haltung der 'Black Panther'-Führer sei dafür charakteristisch."

Die KommunistInnen unterstützen den Kampf um gleiche Rechte und Selbstbestimmung. Ihrer Meinung nach war die schwarze Bevölkerung "überwiegend proletarisch" und stellen damals "den in sich geschlossensten, am meisten revolutionierten und daher kämpferischsten Teil der amerikanischen Gesellschaft" dar.

Die ersten Forderungen, die die Black Panthers in San Francisco, Oakland und San Jose verteilten, forderten Vollbeschäftigung, Freiheit, ein Ende der Ausbeutung durch das Kapital und vor allem ein Ende der Polizeibrutalität. Vor 50 Jahren waren die Black Panthers dann überall in den USA verankert. Sie organisierten Selbstschutz gegen die rassistische Polizei und notwendige Sozialhilfe, die der US-Staat den Schwarzen nicht gab: Etwa Schulfrühstück, Gesundheitsvorsorge sowie Kindergärten und Schulen.

Mehr über die Black-Panther-Bewegung erfährst Du aus unserer alten KONTRA!-Extra von 2010, die wir in unserem Archiv gefunden haben: https://bit.ly/2ykrkBb

Wenn wir heute an das Symbol von Smith, Carlos und Norman bei den Olympischen Spielen 1968 erinnern, dürfen wir nicht so tun als sei der Kampf um gleiche Rechte und Selbstbestimmung für schwarze Menschen schon gewonnen.

Ein Kampf von so vielen wichtigen Kämpfen ist dabei die Forderung nach sofortiger Freilassung von Mumia Abu-Jamal. Er sitzt seit 1981 wegen konstruierten Vorwürfen in den USA im Knast. Dank jahrzehntelanger internationaler Solidarität musste das Todesurteil gegen ihn zurückgenommen werden. Doch frei ist er noch lange nicht.

Wir unterstützen außerdem das Gedenken an Oury Jalloh, der 2005 in einer Polizeizelle in Dessau verbrannt wurde. Nach jahrelangen Kämpfen der Initiative "Break the Silence" hat sich mit Unterstützung der Vereinten Nationen nun eine Internationale Unabhängige Kommission gebildet, die den Mord an Oury Jalloh aufklären möchte:

"Mit Sorge beobachten die Mitglieder der Kommission eine sich international häufende Anzahl von – teils tödlichen – Übergriffen auf People of Colour, Migrant_innen sowie gesellschaftlich benachteiligte Personen durch Angehörige der Polizei. Der Fall Oury Jalloh scheint dafür symptomatisch zu sein, eine zivilgesellschaftliche Kontrolle polizeilichen Handelns ist dringend erforderlich."